Maltes Welt

Herzlich willkommen zu meinem Blog „Maltes Welt“. Hier werde ich in den kommenden Wochen meine persönliche Sichtweise, in verschiedenen Beiträgen, zum Thema Frieden und (Friedens-) Bewegung veröffentlichen, und dabei auch kritische Punkte nicht auslassen. Ihr seid herzlich dazu eingeladen mitzudiskutieren und eure Gedanken einzubringen.

Danke für euer Interesse und auf eine gute Zeit!

Kapitel 10 – Die „neue“ Friedensbewegung – Der Versuch keiner Abgrenzung

 

Es ist im Grunde falsch von einer „neuen“ und damit auch von einer „alten“ Friedensbewegung zu sprechen. Der Wunsch nach Frieden einigt (fast) alle Menschen und damit sind sie Teil der Friedensbewegung, egal ob jung oder alt.

Es lassen sich aber doch zwei große Strömungen unterscheiden, wenn man so möchte.
Die letzte große Friedensbewegung entstand im Zeitalter des letzten kalten Krieges, als die Supermächte immer mehr Waffen, vor allem Atomwaffen, bauten und auch hier bei uns in Deutschland stationierten.

Ein markanter Punkt war im Jahr 1979 der Nato Doppelbeschluss zur Aufstellung atomarer Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II in Europa und die atomare Teilhabe für Deutschland.
Damals wurde beschlossen, dass Deutschland (noch offiziell unter alliierter Kontrolle) zwar keine eigenen Atomwaffen besitzen darf, dass aber die Alliierten, konkret die USA, Atomwaffen in Deutschland stationieren dürfen und die Bundeswehr die „ehrenvolle“ Aufgabe bekommt, einige der Atombomben nach Anweisung der USA abwerfen zu dürfen.

In den folgenden Jahren kam es überall in Europa zu riesigen Friedensdemonstrationen wie 1981 im Bonner Hofgarten mit über 350.000 Menschen und 1982 auf den Bonner Rheinwiesen mit über 500.0000 Menschen.

Aus dieser Friedensbewegung entstand übrigens die Partei „Bündnis90/ Die Grünen“, deren Gründer wohl im Grabe rotieren würden, wüssten sie welche Kriegspolitik ihre Nachfolger heute machen.

Von den damaligen Friedensaktivisten sind viele aktiv geblieben und bilden heute das Rückgrat vieler Friedensinitiativen wie z.B. der FriKo (Friedenskoordination) in Berlin.

Die größten Veranstaltungen der „alten“ Friedensbewegung sind die jährlich in ganz Deutschland stattfindenden Ostermärsche. Deren Ursprung übrigens bis in die 50er Jahre zurück reicht.

Die, wenn man so will, neuen Friedensbewegungen entstanden und entstehen weniger aus der atomaren Bedrohung, sondern mehr aus konkreten Kriegen und/oder wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Bedrohungen. Die aktuell größte Bewegung, die ich in diese Kategorie einordne, ist die Fridays for Future-Bewegung, die sich zwar primär mit Klimaschutz beschäftigt, aber auch die zunehmende Umweltverschmutzung, z.B. durch die Wirtschaftskriege und unser persönliches Konsumverhalten anprangern. Ebenso zähle ich die Occupy Wallstreet und die Anonymous-Bewegung und natürlich die Mahnwachen-Bewegung von 2014 dazu.

Es gibt auch noch einen weiteren Unterschied des Friedensaktivismus der 80er Jahre, zu dem Heutigen.

Wie in fast allen Bereichen unseres Lebens gibt es auch für die Friedensbewegung eine große Veränderung durch die vierte industrielle Revolution, dem Beginn des Informationszeitalters und der Ausbreitung des Internets mit den Sozialen Medien.

Die Friedensbewegung bestand bis in die 90er Jahre hinein im Wesentlichen aus kleinen lokalen Gruppen, die sich getroffen und Flugblätter entworfen, gedruckt und verteilt haben.
Für manch einen mag es unglaublich erscheinen, wie es möglich war, so 500.000 Menschen gegen den Nato-Doppelbeschluss auf die Straße zu bringen.

Mit dem Siegeszug des Internets und der Digitalisierung unseres Lebens hat sich die Situation stark verändert. Natürlich sind die lokalen Gruppen immer noch aktiv. Allerdings findet der Austausch oft digital statt und eine Präsenz in den Sozialen Medien mit Bildern und Videos ist heute Grundausstattung eines jeden Aktivisten.

So schön es ist, dass wir heute mit einfachen Mitteln Millionen von Menschen erreichen können, bringt das Informationszeitalter auch neue Herausforderungen mit sich. Die Informationsüberflutung, birgt auch Gefahren. Haben wir auf der einen Seite den Vorteil, dass jeder Smartphone-Besitzer zum Berichterstatter werden kann, so können natürlich auch alle anderen Meinungen, Ansichten und bewusste oder unbewusste Falschmeldungen im freien Internet verteilt werden.

Ein weiteres Problem sind die Echokammern der Suchmaschinen und der Sozialen Netzwerke und eine Kultur der Unhöflichkeit im Netz. Letztere treibt uns zunehmend in eine Streitkultur des Schwarz-Weiß-Denkens, was wir sehr gut in den letzten Monaten und Jahren beobachten können.

 

Verschieden und doch vereint

Was die Friedensbewegung damals wie heute eint, ist ein bewundernswerter Idealismus der Aktivisten. Die meisten von uns bekommen keinen müden Heller für ihren Aktivismus und so investieren wir neben Beruf, Familie und dem ohnehin geringen Privatleben unsere Energie, Zeit und Geld für eine bessere Zukunft. Für uns, aber vor allem für unsere Kinder. Was für eine Herausforderung das ist wird klar, wenn wir schauen wer eben nicht am Frieden interessiert ist.

Banken, Regierungen, Rüstungskonzerne und Großkonzerne profitieren vom Krieg. Sei es ein Wirtschaftskrieg, in dem neue Ressourcen oder neue Märkte gesichert werden oder ein kalter bis heißer Krieg, in dem sich mit der Produktion von Waffen und dem Tod Unschuldiger viel, viel Geld verdienen lässt. In dieser „Branche“ spielt Geld keine Rolle und es ist normal, professionelle PR-Firmen und Lobbyisten mit dem Durchsetzen der eigenen Ziele zu beauftragen.

Der Frieden hat leider keine Lobbyisten.

Und doch dürfen wir unsere eigene Arbeit nicht als hoffnungslos betrachten. In einer Zeit, in der die Medien ihre Aufgabe als vierte Gewalt im Land immer mehr verlieren ist es umso wichtiger, das Gewissen der Menschen auf die Straße zu bringen. Damals wie heute stehen wir für eine lebenswerte Zukunft, ohne Krieg und für ein friedliches Miteinander aller Menschen.
Mit den verschiedensten Themen zu Klimaschutz, gegen die US Airbase in Ramstein, gegen den Krieg in Jugoslawien, Ukraine, Jemen und welchem Land auch immer, gegen einen unmenschlichen Turbo-Kapitalismus u.v.m., bilden sich immer neue, unterschiedliche Gemeinschaften, die im Herzen aber immer vereint sind.

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Bei allen von mir verfassten Texten gelten für mich folgende Grundsätze und Überzeugungen:

  • Die Grundlage all meines Handelns und Wirkens ist eine humanistische Überzeugung von Menschlichkeit und Nächstenliebe, im Einklang mit den Menschenrechtsartikeln in unserem Grundgesetz, Artikel 1 bis 19 und der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (UN- Charta).
  • Jeder einzelne Mensch, überall auf der Welt, hat ein Recht auf Würde, Frieden und Selbstentfaltung.
  • Kein Mensch hat das Recht sich über andere zu erheben oder sie zu unterdrücken.
  • Für die Durchsetzung dieser Grundsätze haben wir in Deutschland Gesetze ausgehend vom Grundgesetz. Die Einhaltung und Durchsetzung dieser Gesetze obliegen der Exekutiven (Polizei) und der Judikativen (Gerichte).
  • Jeder Mensch hat das Recht auf Widerstand! (Art. 20 Abs.4 GG)
    Kein Staat dieser Welt ist perfekt und jeder Bürger hat das Recht, wenn nicht sogar die Pflicht, sich gegen Ungerechtigkeit aufzulehnen