Maltes Welt

Herzlich willkommen zu meinem Blog „Maltes Welt“. Hier werde ich in den kommenden Wochen meine persönliche Sichtweise, in verschiedenen Beiträgen, zum Thema Frieden und (Friedens-) Bewegung veröffentlichen, und dabei auch kritische Punkte nicht auslassen. Ihr seid herzlich dazu eingeladen mitzudiskutieren und eure Gedanken einzubringen.

Danke für euer Interesse und auf eine gute Zeit!

Kapitel 2 – Schubladendenken

Die Erforschung des menschlichen Verhaltens ist eine jahrhundertealte Wissenschaft. Vieles konnte in dieser Zeit untersucht werden und heute können wir sogar, dank moderner Technik wie MRT und EEG, erkennen, welche Regionen bei welchen Denk-Prozessen in unserem Gehirn aktiv sind.

Interessant dabei ist, dass es immer noch Abläufe und Verhaltensweisen gibt, gegen die wir uns gar nicht wehren können. Das geht so weit, dass es eine ernsthafte Debatte darüber gab und gibt, ob der Mensch überhaupt einen freien Willen besitzt.

Ich will an dieser Stelle nicht in die Tiefen der Psychologie einsteigen. Dafür fehlt mir auf der einen Seite die Qualifikation, auf der anderen Seite würde es hier auch den Rahmen sprengen.
Wer sich für das Thema interessiert kann in der Psychologie, Verhaltensforschung, Theologie, bei Gurus und selbst bei Verkaufstrainern interessante Einblicke erlangen. Denn alle studieren das menschliche Verhalten.

„Ich passe in keine Schublade.“

Ich möchte in diesem Kapitel über eine spezielle Funktion unseres Gehirns sprechen, das sogenannte „Schubladendenken“. Viele von euch empfinden diesen Begriff vielleicht als negativ, etwas das ihr versuchen müsst abzulegen. Allerdings würden wir, ohne unsere Schubladen im Kopf, tatsächlich Schaden nehmen.

Folgender kurzer Selbsttest: Denkt an einen Weg, den ihr regelmäßig zurücklegt. Zum Beispiel zur Arbeit oder zum Einkaufen. Ihr könntet diesen Weg vermutlich im Schlaf gehen oder fahren und wenn ihr die Augen schließt könnt ihr genau sehen, an welcher Kreuzung ihr wohin abbiegen müsst. Aber könntet ihr sagen, wie viele Bäume ihr auf diesem Weg seht? (Wenn ihr in der Stadt lebt, nehmt Straßenlaternen anstatt der Bäume.)
Oder wie viele Stufen die Treppe hat, die ihr täglich lauft? Würde ein Kobold eine Stufe wegnehmen würdet ihr vermutlich schwer stürzen aber die Anzahl der Stufen kennen nur eure Füße, nicht euer Kopf.

Warum ist das so?

Wir bekommen jede Sekunde Millionen von Informationen über unsere 7 Sinne mitgeteilt. Unser Gehirn ist schlicht nicht in der Lage, alle diese Informationen zu verarbeiten. Also bedient es sich zweier Tricks. Zuerst werden alle Informationen gefiltert. Alles, worauf wir uns nicht konzentrieren und das für unsere aktuelle Situation nicht wichtig ist, wird radikal aussortiert. „Wo hatte ich nochmal meine Schlüssel hingelegt?“
Als Zweites werden so viele Informationen wie möglich zusammengefasst und kategorisiert. Dann ist ein Baum eben nur einer von vielen Bäumen am Wegesrand. Die Anzahl der Äste zu speichern ist für unser Überleben nicht relevant, womit diese Information verworfen wird. Oder wer möchte sich schon über jeden einzelnen Stein auf einem Kiesweg Gedanken machen.

Übrigens durchlaufen ALLE Informationen zuerst unser emotionales Zentrum im Gehirn und werden von ihm eingefärbt, bevor sie überhaupt in unser Bewusstsein treten. Von daher ist Streiten keine gute Idee, wenn man ohnehin schon schlechte Laune hat. Aber das nur nebenbei.

Es kommt vor, dass bei einigen Menschen diese Filter nicht oder nur eigeschränkt funktionieren. Je nachdem in welchem Bereich und in welcher Ausprägung dies vorkommt sind diese Menschen Hochbegabte, Hochsensible, Genies, Autisten oder Wahnsinnige.
Einfach haben sie es alle nicht, denn die enorme Informationsflut macht es ihnen unglaublich schwer mit anderen Menschen zu interagieren.
Seien wir also dankbar dafür, dass unsere Filter funktionieren.

Was hat das Ganze jetzt mit der Friedensbewegung zu tun?

Wir dürfen als Allererstes einmal akzeptieren, dass jeder von uns in Schubladen denkt. Das ist erst einmal nichts Schlechtes, sondern einfach natürlich und, wie beschrieben, notwendig. Wir müssen uns also nicht schämen, wenn wir mal wieder verallgemeinert haben.

Aber wir dürfen uns natürlich dieser Schubladen bewusst sein. Nur wenn wir diese Mechanik in unserem Kopf kenne, können wir auch bewusst prüfen, ob wir eine Schublade noch einmal aufmachen wollen.

Wenn in unserem Gehirn alle Chinesen Kampfsportler sind, alle Afrikaner dunkle Haut haben, alle Schwedinnen blond sind und alle Holländer Wohnwagen fahren, dann sind diese Verallgemeinerungen vermutlich nicht wichtig für unser Überleben. Wir können uns aber darauf verlassen, wenn wir einer Gruppe von Menschen pauschal eine Eigenschaft zusprechen, tun wir dem einzelnen Individuum dieser Gruppe mit Sicherheit Unrecht.

Besonders kritisch wird es dann, wenn unser Gehirn Gruppierungen lernt, die nicht pauschal zusammengehören. Gerade in der letzten Zeit haben ganz viele Gehirne gelernt, Maßnahmenkritiker = Querdenker = Verschwörungsideologen = Reichsbürger = Nazi = das ultimative Böse. Dieses zusammenlegen von Schubladen in unserem Kopf kennen wir auch bei anderen Beispielen. Nach dem Kennedy Mord wurden Zweifler an der offiziellen Geschichte zu „Verschwörungstheoretikern“ und zu „System-Umstürzlern“ erklärt. Sobald die Friedensbewegung mal wieder groß und relevant wird, gibt es immer Menschen, die versuchen das Label „Kreml-bezahlt“, Utopisten, realitätsfremd oder in jüngster Vergangenheit, „Putin-Versteher“ und „Verschwörungstheoretiker“ mit an diese Schublade zu schreiben.

All diejenigen, die keine persönlichen oder anderen Erfahrungen mit diesen Bewegungen oder Gruppierungen gemacht haben, werden unbewusst diese Schubladen in ihrem Gehirn anlegen. Sobald dies passiert ist, reicht der Begriff „Maßnahmenkritiker“, um das ultimative Böse vor sich zu sehen und damit eine riesige Gruppe von Menschen zu verunglimpfen, die einfach nur Kritik üben.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ bei mir mittlerweile eine andere Schublade geworden ist.
Dank der Mahnwachenbewegung 2014 habe ich mich, wie viele andere auch, sehr intensiv mit dem beschäftigt, was die Leitmedien uns erzählen. Dabei wurde sehr schnell klar, dass das Fragenstellen allein bereits reicht, um von anderen Menschen als Verschwörungstheoretiker bezeichnet zu werden.
„Warum wissen 90% der Menschen nichts von WTC 7?“
„Warum haben die USA nach dem 11. September 2001 den halben mittleren Osten angegriffen?“
Allein solche Frage reichen, um dieses Label zu bekommen.
Ich trage den Titel Verschwörungstheoretiker mittlerweile mit Stolz. Auf dieser Schublade in meinem Kopf steht „Verschwörungstheoretiker = kritische Mit-Denker“.

Aber das ist meine, ganz persönliche Schublade. Jeder von euch kann sich bewusst entscheiden, wie sie oder er seine Schubladen beschriften will oder vielleicht auch einmal umsortieren möchte. Alles, was wir nicht bewusst entscheiden, erledigt unser Gehirn unterbewusst und wird dabei natürlich von allem beeinflusst, was wir täglich sehen, hören und erleben.

Die gute Nachricht ist, nichts in unserem Gehirn ist für immer festgelegt. Gerade dieser Bereich ist im ständigen Wandel.

Wenn wir also das nächste Mal der unsportlichen, dunkelhaarigen Schwedin mit chinesischer Abstammung begegnen, dann dürfen wir unsere Schubladen öffnen und gegebenenfalls auch unsere Meinung ändern.

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