Fleisch, oder kein Fleisch, das ist hier die Frage

 

Fleisch, oder kein Fleisch, das ist hier die Frage

Auf dem Pax Terra Musica Friedensfestival gibt es seit der dritten Veranstaltung 2019, kein Fleisch mehr bei den Catering-Ständen auf dem Festivalgelände.
Dieser Umstand führt jedes Jahr wieder zu Diskussionen, bei den Gästen, aber auch bei den neuen Mitgliedern im Orga Team.

Überraschend ist dabei, wie emotional die Diskussion zum Thema Essen auf dem Festival geführt wird. Da ist von „Zwangs-Veganisierung“, „Bevormundung“ und „Essens-Diktat“ die Rede.
Um eine kleine Ungenauigkeit gleich zu korrigieren, „vegan“ bedeutet, keinerlei tierische Produkte – also kein Fleisch, keine Milch, kein Ei, keine Leder-Kleidung etc. Das Essen auf unserem Friedensfestival ist vegan UND vegetarisch.

Also euren Kaffee bekommt ihr auch weiterhin mit Kuhmilch, aber alternativ auch mit Getreidemilch, wenn ihr das möchtet.

Wie konnte es nun aber überhaupt so weit kommen?
Beim allerersten Festival, 2017 in Jüterborg, hatten wir noch gar keine Erfahrung und waren dankbar, dass wir es geschafft hatten, Caterer zu bekommen, die sowohl das eine, als auch das andere angeboten haben. Nach dem hohen finanziellen Verlust 2017, die Insolvenz und die Rettung der Firma durch euch und eure Spenden (danke noch einmal dafür 💗 ) war kein Platz für eine Detailverbesserung bei der Auswahl der Caterer und das Thema wurde nicht weiter besprochen.

Im folgenden Jahr, dem ersten Pax Terra Musica auf der Freilichtbühne in Friesack, hatten wir dann nur noch 2 Caterer organisiert. Einen vegan/vegetarischen Essensstand und eine Burger-Bude. Und dann hat uns der vegan/vegetarische Essensstand kurzfristig abgesagt.
Wir haben bei unserem Festival einen überdurchschnittlich hohen Anteil an vegan und vegetarisch lebenden Menschen. Und jetzt gab es nur noch einen Stand, der an veganer Nahrung genau ein Gericht, nämlich Pommes, anbot und zusätzlich den Geruch von gebratenem Fleisch auf der Freilichtbühne verbreitete. Was den einen das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, löst bei anderen Ekel, Entsetzen und Übelkeit aus.

Auch wenn 2018 ein wunderschönes Festival war, war die Aufregung zum Essen wohl das größte negativ-Thema in dem Jahr.
Viele Menschen kamen auch direkt auf mich zu, unter anderem Dirk C. Fleck, die mir erklärten, warum Frieden auch bei den Tieren anfängt. Wer die Verhältnisse in der Massentierhaltung kennt, versteht, was gemeint ist.

Wir standen im Orga-Team nun also vor der Herausforderung, es im nächsten Jahr besser zu machen. Der Wunsch nach fleischhaltiger Nahrung, als auch nach veganem Essen bestand damals, wie heute auch bei verschiedenen Menschen bei uns in der Gruppe.
Am Ende kamen wir zu folgenden Argumenten:

1) Es ist für einen Menschen, der Fleisch isst, gut möglich, ein paar Tage auf Fleisch zu verzichten. Eine Person, die vegetarisch/vegan lebt, wird lieber ein paar Tage hungern, als Fleisch zu essen.

2) Wir sind ein Friedensfestival, bei dem wir bemüht sind, die Wahrnehmung und die Empathie für alles Leben auf dieser Welt zu erhöhen. Viele von den Menschen, die noch Fleisch essen, wissen um die Probleme von Massentierhaltung, Billigfleisch, etc. Viele Fleischesser reduzieren deswegen schon heute ihren Fleischkonsum, auch wenn sie noch nicht ganz darauf verzichten wollen. Wir haben die Gelegenheit einmal zu zeigen, wie vielseitig vegane/vegetarische Küche ist und vielleicht inspiriert es ja den einen oder die andere ihre eigenen Kochgewohnheiten zu erweitern.

3) Wir haben immer ausdrücklich gesagt, dass es möglich ist, sich auf dem Campingplatz selbst zu versorgen. Vielleicht ist das Angebot zu teuer oder das Dargebotene schmeckt nicht. Oder eben auch, weil auf dem morgendlichen Brötchen einfach eine Scheibe Wurst sein muss.

Unter diesen Gesichtspunkten haben wir entschieden, achtsam miteinander umzugehen und Rücksicht zu nehmen, da wo es möglich ist.
Für uns ist die vegane und vegetarische Küche auf dem Festival kein Essens-Diktat. Es ist ein Angebot, einmal eine fleischfreie Ernährung auszuprobieren. Und es ist die konsequente Ausführung des Friedensgedankens.
Was jeder Einzelne daraus macht, ist ihm oder ihr selbst überlassen.

Schreibt uns gerne eure Gedanken dazu in die Kommentare. Und bitte wundert euch nicht, dass wir die Kommentare erst freigeben müssen, dies ist leider notwendig, um den Spam abzufangen.

 

7 Comments

  1. comax 10. August 2023 at 20:10 - Reply

    Hallo!
    Ich kann die Argumente gut verstehen! Zwar esse ich gelegentlich Fleisch, aber weiss auch, dass das nicht gerade auf das Friedensfestival und zum Thema Frieden passt.
    Zb Das Beuf Stroganov vegan war echt klasse und ich habe nichts auf dem Festivalplatz vermisst. Am Abend wurde an einigen Stellen auf dem Zeltplatz Fleisch gegrillt, wo ich 1x mitgegessen habe, aber ich muss das nicht auf dem Festivalgelände bei den Buden haben, wenn das Thema des Festivals nicht dazu passt. Da gilt es zu differenzieren. Wenn auf dem Zeltplatz nicht gegrillt worden wäre, wäre das auch ok gewesen. Oder ich hätte gegrilltes Gemüse gegessen. Für mich ist das ok.
    Von daher kann ja jeder mal über das Thema reflektieren und seine Konsequenzen ziehen. Gezwungen wird keiner.
    Mahlzeit. <3

  2. Alf 10. August 2023 at 23:08 - Reply

    Ich glaube man will meinen Ausgangspost nicht wirklich verstehen.
    Ja, auch Tierische-Produkte-Verzehrer können auf solche Erzeugnisse ein paar Tage verzichten.
    Ja, die Küche auf dem PAX hat mir gut geschmeckt.
    Nein, man kann Besucher nicht erst vor Ort vor vollendete Tatsachen stellen.
    FAZIT: Es ist gutes „Orga-Recht“ das Festival als das VEGANE FRIEDENSFESTIVAL auszuschreiben.
    Dann tut das doch einfach!!

    Es ist doch im höchsten Maße albern, wenn ich darauf verweise, daß auf dem Campingplatz alles erlaubt ist, d.h., Erzeugnisse aus ggf. übelster Tierhaltung sind hier willkommen.

    Wenn schon überzeugten Veganern das Tierwohl soooo arg am Herzen liegt, dann wäre doch eine logische Vorgehensweise, es werden nur Anbieter zugelassen, von denen man dann – zumindest einigermaßen – sicher sein kann, daß die tierischen Erzeugnisse aus vernünftiger Haltung stammen, oder?!

    • Malte 11. August 2023 at 13:16 - Reply

      Die Information, dass es auf dem Festivalplatz kein Fleisch gibt findet sich auf unserer Startseite etwas weiter unten, bei den „Häufig gestellte Fragen“ unter Essen & Trinken.

      Wir nennen das Festival nicht „Veganes Friedensfestival“, weil es nicht vegan, sondern vegan UND vegetarisch ist und weil das Motto des Festivals Frieden ist. Viele andere Festivals bieten auch kein Fleisch mehr an und nehmen es auch nicht in ihr Logo auf.

  3. Waldgänger Tom 11. August 2023 at 20:58 - Reply

    Wenn ein Friedensfestival mit fleischlosem Essen einige Besucher triggert, macht es alles richtig, denn es reizt zum weiteren Nachdenken an ;-)
    Danke Malte, hätte mich 2018 auch gewundert, aber jetzt kenne ich auch diese Geschichte.
    Und das Essen war dieses Jahr wirklich hervorragend, Stroganov wie Thai wie Kaffeestand wie Morgenbuffet..
    Peace, meine Lieben

  4. El Chico 29. August 2023 at 19:06 - Reply

    Das Problem für mich ist

    1. dass einige Menschen sich dadurch halt abgeschreckt fühlen.
    2. dass sich die Friedensbewegung jetzt so dramatisch geändert hat in den letzten Jahren aufgrund von Corona, dass sie sich jetzt einfach mehr Leute zu eigen gemacht hat, gefeiert wird in den alternativen Medien etc.

    Ja und das darf auch auf „traditionelle“ Art gefeiert werden, zu Speis und Trank gehört mal ne Pizza Salami oder ein Chicken Curry. Eine Bolognese oder eine Boulette. Das stinkt alles nicht schmeckt besser als bratwurst (die riecht man doch auf dem ganzen Zeltplatz, da isses doch schöner man sitzt alle zusammen an einem tisch drinnen, auf dem Gelände? Was mich nämlich stört: Ich werde nicht satt von den Veggy- Geschichten. Außer die Pizza die war sehr Guuut!

    Keine Denk- Ess- und Sprechverbote mehr. Ich bin dafür. :)

  5. Clint 8. September 2023 at 9:00 - Reply

    Schon erstaunlich, wie sehr auch das Thema Ernährung zur Polarisierung taugt. Und zur Glaubensfrage gemacht worden ist. Bei der es zwischen den beiden extremen Ausprägungen (linke Leitplanke: 100% vegan, rechte Leitplanke: „Fleisch ist mein Gemüse“) nicht mehr möglich ist, sich gegenseitig zu akzeptieren sondern sich mit einer Art heiligem Zorn begegnet. Die jeweils Anderen sind eben Ketzer oder Herätiker und gehören auf den Scheiterhaufen…

    Es ist meines Erachtens ein weiteres Beispiel dafür, wie wir gezielt konditioniert worden sind. Es werden Extrempositionen definiert, die die Funktion von Denk-Leitplanken haben. Diese Leitplanken lassen sich mittels der Medien jederzeit verändern, verengen oder erweitern. Sie bilden ein hübsches Gedankengefängnis, so werden wir in der Regel nur Gedanken denken, die sich innerhalb der vordefinierten Leitplanken befinden. Evolutionstheorie vs. biblische Genesis, runde Erde vs. flache Erde, Kapitalismus vs. Kommunismus, Demokratie vs. Diktatur sind weitere Beispiele.
    Das praktische an dieser Strategie ist nicht nur, dass der Debattenraum gesteuert werden kann, wir denken meist auch nur innerhalb dieser Leitplanken und kommen daher selten auf die Idee, dass es jenseits dieser Leitplanken weitergeht und vielleicht gerade dort interessante Lösungen zu finden sind.
    Ein weiterer Effekt ist, dass sich kleinere Gruppen bilden (Die große Gruppe sind wir alle, die hungrig sind.) Aus Sicht der Planer ist es gefährlich, wenn sich eine große Gruppe einig ist. Mit der Glaubensfrage „vegan“ haben wir schon mindestens zwei Gruppen, die sich aneinander abarbeiten.

    Vielleicht liegt die Lösung dieses Ernährungskonflikts daher eher darin verborgen, dass wir sehr ehrlich zu uns selbst sind. Und in uns hinein lauschen, wessen Gedanken es in mir denkt, von wem sie kommen, wer ein Interesse daran haben könnte, dass ich sie denke. Und was sie mit mir machen, ob sie mein Leben positiv beeinflussen.
    Und wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass es meine ureigensten Erfahrungen sind, die ich mit meinen eigenen Sinnen unmittelbar gemacht habe, dann erst darf ich (ver-?) urteilen.
    Aber ich wette darauf, dass es nach diesem inneren Prozess nicht mehr nötig ist.

    • Klemens Behr 18. November 2023 at 10:17 - Reply

      Danke schön

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