Barfuß laufen: Lerne die Technik für gesundes laufen und inneren Frieden

Autor: Chris & Martin Ruhland | Lesedauer: 8 Minuten
Richtig Barfuss laufen kann man einfach lernen. Mit dem Ballengang zu mehr Gesundheit.

In der westlichen Welt kommen 98% aller Neugeborenen mit gesunden Füßen zur Welt.

Im Erwachsenenalter sieht die Situation allerdings ganz anders aus.

Über die Hälfte klagen über Fußprobleme. Aber Laufen ist für uns doch das natürlichste der Welt, stimmt’s?

Wir bleiben leistungsfähig und unser Körper gesund.

Leider entfernen uns konventionelle Schuhen so weit von unserer Natur, dass unsere Muskulatur bei all der besohlten Stütze verkümmert. Wir merken daher gar nicht, dass wir uns beim Hackengang bei jedem Schritt weh tun und unseren Untergrund nicht mehr spüren.

Aber es gibt eine einfache Lösung: Barfußlaufen

In diesem Beitrag erfährst Du:

  • Warum Barfußlaufen gesund und echtes Dopamin für unsere Füße ist

  • Was für Barfußgehen spricht (& was gegen den konventionellen Schuh)

  • Wie Du die richtige Technik für das Barfußlaufen lernst

  • Wie der Ballengang im Alltag mittels Barfußschuhen gelingt

  • Was das Ganze mit innerem und äußerem Frieden zu tun hat

  • Tipps vom Barfuss-Profi Martin Ruhland

Warum Barfuß laufen: Konventionelle Schuhsohlen blockieren den natürlichen Gang

Der noch immer von vielen Ärzten dogmatisch genutzte Begriff des „anständigen Abrollens“ bedeutet, wie beim Militär die Ferse zuerst in den Boden zu hacken.

Dabei erleiden immer mehr Menschen durch mangelnde sowie falsche Bewegung, Verletzungen am Bewegungsapparat. In Deutschland macht sich dies mit jährlich über 500.000 durchgeführten Operationen an Hüfte, Knie und Rücken bemerkbar. Und falls Du bereits von einer dieser Verletzungen betroffen warst, kennst Du die Schmerzen und Einschränkungen nur allzu gut. Ich selbst bin interessanterweise nach Operationen an beiden Knien, statt mit Einlagen und konventionellen Schuhen, erst durch Barfußgehen wieder richtig in Gang gekommen.

Die Ursachen vieler dieser Verletzungen werden häufig nicht oder nicht korrekt analysiert. Dabei lässt sich mittlerweile feststellen, dass wir nur fit und gesund bleiben, wenn wir Barfußlaufen.

Zusätzlich hindern in vielen Regionen Glas, Dreck und gesellschaftlich gewachsene Konventionen daran, Barfuß zu gehen.

Durch konventionelles Schuhwerk besitzen viele Kinder bereits im Kindergarten geschwächte oder gar deformierte Füße, bei den Erwachsenen anschließend noch viel mehr.

Denn neben der meist vorhandenen, aber unnötigen und sogar schädlichen Fersensprengung (Absatz und Sohle) werden Schuhe oft aus Unkenntnis zu klein und/oder zu eng gekauft.

Unser Fußapparat ist perfekt konstruiert, um uns gestützt und kraftvoll fortzubewegen.
Bild: Unsplash – Nino Liverani

Durch das integrierte Fußbett oder Einlagen verkümmert anschließend unsere Muskulatur, die sich eigentlich selbst trainieren möchte. Dieses Training ist im Ballengang, also Barfuß jedoch wesentlich effektiver.

Dabei wolltest Du doch eigentlich durchs Leben tasten und tanzen statt zu hacken, oder?

Was sagen eigentlich Physiotherapeuten über unsere konventionellen Schuhe?

Diese werden Dir bestätigen, dass eine der häufigsten Ursachen für Beschwerden und Probleme im Bewegungsapparat, dass Gehen und Laufen in unflexiblen bzw. steifen Sohlen ist. Wir hacken durch diese „Schienen“ förmlich mit unseren Fersen durch den Tag, anstatt uns natürlich zu bewegen.

Unsere Muskeln verkümmern und können ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden, bis unser Fuß wortwörtlich zusammenfällt.

Die Auswirkungen kennst Du:

  • Senkfuß,

  • Plattfuß,

  • Knick- oder Spreizfuß.

Auch der hallux valgus (der Schiefstand des Großzehs) bis hin zu Fersensporn und Achillessehnenproblemen sind die Folge.

In den meisten Fällen kannst Du diese Probleme mit Barfußlaufen korrigieren.

Deine ersten Schritte (waren) Barfuß

Wahrscheinlich erinnerst Du Dich nicht mehr an Deine ersten Schritte, aber möglicherweise hattest Du in letzter Zeit die Chance mal ein Baby bei den ersten Gehversuchen zu beobachten.

In dem Video unseres kleinen Protagonisten siehst Du, welch wichtige Rolle unsere Zehen beim Laufen lernen und herantasten spielen.

Hinweis am Rande: Mittlerweile erkennen sogar Entwicklungsforscher Zusammenhänge zwischen dem Erlernen von Gehen und Sprechen an. Bei Verhaltensauffälligkeiten kann Barfußgehen darüber hinaus eine Therapie unterstützen.

Barfußgehen und der Ballengang im Alltag

Selbst wenn wir heute konventionelles Schuhwerk tragen, bewegen wir uns trotzdem auf eine natürliche Weise, nur merken wir es meistens nicht.

Sobald wir auf der Stelle, rückwärts oder seitwärtsgehen, Treppen steigen (auf und ab!), tanzen, boxen oder uns an etwas heranpirschen, laufen wir natürlich. Nur beim Vorwärtsgehen zwingen uns Absätze – ursprünglich nichts Anderes als eine Art Steigbügelbremse – sowie oft zu enge Vorfußpartien, über unsere Fersen aufzusetzen.

Inzwischen empfehlen und praktizieren auch immer mehr Ärzte, Wissenschaftler und Sportler die Gangart über den Vorfußballen, denn Barfußgehen ist echtes Doping für die Füße.

Mit dem Ballengang beim Barfußlaufen:

  • vermeidest du permanente Stöße auf Deine Knochenkette,

  • schonst Deine Gelenke,

  • stärkst die Muskeln,

  • und tust Deiner Durchblutung über einen doppelten Impuls für die Venenpumpe in der Wade sowie deiner Atmung und Lunge über die sanfte Massage der Fußreflexzone bei jedem Schritt etwas spürbar Gutes.

Die vielfältigen gesundheitlichen Vorteile gelten selbstverständlich für jeden, oft auch sogar dann, wenn es schon Beschwerden oder gar eine medizinische Diagnose gibt.

Viele indigene Hochleistungsläufer, die zuhause oft aus Geldmangel, aber in meinen Augen durchaus zu ihrem Vorteil, barfuß trainieren, laufen auch auf diese Art – zumindest bis ihnen dann von einem Sportausstatter konventionelle „High-Tech-Laufschuhe“ gesponsert werden.

In dieser leider etwas kleinen Abbildung kannst Du den Unterschied zwischen dem Ballengang und dem “Hackengang” deutlich erkennen
Bild: Tarahumara

Wie es geht: Richtig Barfußlaufen entdecken

Um richtig Barfuß zu laufen gilt es, nochmal neu wie Kinder Laufen zu lernen.

Gehe barfuß einige Schritte auf der Stelle – lasse die Zehen/den Vorfuß locker hängen (!) und fühle, wie der Vorfußballen zuerst den Boden berührt. Dann bringe genau diese Bewegung allmählich in kleinen Schritten nach vorne – so geht‘s!

Sieh Dir am besten dazu Martins kurzes Video, Ballengang/Barfußlaufen in 60 Sekunden an:

Barfuß mit dem Vorfußballen oder zumindest mit der ganzen Fußsohle aufzutreten anstatt mit der Ferse, kann zuerst ungewohnt erscheinen, aber wie immer gilt: Übung macht den Meister, auch im Ballengang.

Dein Gehirn, das sich ebenfalls über die zunächst ungewohnt differenzierte Rückmeldung deiner erdverbundenen Tastorgane freut, braucht anfangs etwa zwei Monate, um nicht mehr bei jedem Schritt über das „richtige“ Auftreten nachdenken zu müssen.

Die richtige Technik beim Barfußgehen benötigt Zeit. Überstürze es daher nicht und trainiere zum Beispiel auf Wiesen, im Freizeitbad oder zuhause und lass die Schuhe in den richtigen Situationen einfach mal weg, und gehe ganz bewusst.

Deinen Muskeln und Sehnen kannst Du gerne ein ganzes Jahr geben, bis sie die neuartige – aber eigentlich ursprüngliche – Bewegung wieder adaptiert haben, d.h. gehe langsam an die Sache heran – immer nur solange Du Dich wohlfühlst – und überfordere Dich und Deinen Körper nicht.

Mache also im doppelten Sinn kleine Schritte – das ist für den Vorfußballen- oder Mittelfußgang unabdingbar.

Ich selbst bin nach Operationen an beiden Knien vor wenigen Jahren erst durch Barfußgehen und die Nutzung von Barfußschuhe wieder richtig auf die Beine gekommen. Diese richtige Lauftechnik bedeutet für mich nicht nur sanft und gut zu sich selbst zu sein, sondern bringt, sofern Du möchtest, zusätzlich einen freudigen sowie einen meditativen Aspekt in Dein Leben.

Barfuß laufen bringt zwangsläufig neue Impulse in Dein Leben und eine Dauermassage in Deine Füße.
Bild: Unsplash – Jordan Whitt

Barfuß und trotzdem geschützt – Schuhe zum Barfußgehen

Das hört sich ja alles super an aber uns ist allen klar, das Du heutzutage nur sehr schwer im Alltag auf Schuhe verzichten kannst.

Was also, wenn es zu kalt, zu heiß oder schmutzig ist, Du Dich vor Verletzungen schützen möchtest oder aus Etikettegründen einen Schuh benötigst?

Ganz zu schweigen, was Dir beispielsweise in Städten und Kaufhäusern passieren kann (Stichwort: Hausverweis zur eigenen Sicherheit), wie auch der Kraft- und Konditionstrainer Johannes Kwella innerhalb seiner Barfuss-Challenge zu berichten weiß.

Um solchen Problemen aus dem Weg zu gehen gibt es seit einigen Jahren eine alltagstaugliche Lösung: ganz leichte, minimalisierte Barfußschuhe zum Barfußgehen.

Mit Barfußschuhen bewegst Du Dich genauso ursprünglich und anatomisch stimmig wie barfuß, aber optimal geschützt (und aus hygienischen Gründen durchaus auch mit Socken).

So sieht der Calisto von Sole Runner aus. Die schlanken Barfußschuhe erlauben den fast direkten Kontakt mit dem Untergrund und schützen trotzdem im Alltag. Bild: Sole Runner

Mit einer superdünnen/leichten und flexiblen Sohle für optimalen Bodenkontakt kannst Du Barfußgehen sicher und ungestört praktizieren inklusive einer selbstgenerierten Fußreflexzonenmassage. Und einer wirklich Deinem Fuß folgenden Form für maximale Freiheit auch Deiner Zehen steht nichts mehr im Wege.

Da Barfußschuhe keinen Absatz und keine Sohle im herkömmlichen Sinne besitzen (sog. Fersensprengung), sind eine naturgemäße Körperstatik und ein stabiler Stand immer gewährleistet.

Statt einer Fersendämpfung, kann Dein Fußbett nun das perfekt konstruierte Federungs- und Dämpfungssystem bestehend aus Vorfußballen, Fußgewölbe und Sprunggelenk nutzen. An sich ist unser Fuß nämlich eine meisterliche Konstruktion mit einem selbsttragenden Gewölbe, welches nicht gestützt, sondern lediglich geschützt sein möchte.

Und ganz nebenbei helfen Barfußschuhe durch die Ressourcenminimierung dabei – egal ob beim vegan-synthetischen oder Leder-Schuh – die Umwelt zu schonen.

Sole Runner kannst Du auch 2018 auf dem Pax Terra Musica erleben und Dich vor Ort beraten lassen. Bild: Sole Runner

„Auf freiem Fuß“ – Barfuß im Lot & in Frieden geerdet

Barfuß durch den Tag oder flexibel in der Freizeit zu laufen, hat viele positive Effekte für Körper und Geist. Bild: Unsplash – Dominik Martin

Reines Barfußgehen, möglichst oft und am Besten in der freien Natur, gestattet den vor allem bei den zahlreichen kopfgesteuerten Aktivitäten wichtigen Ionenaustausch mit der Erde – im Volksmund auch ganz simpel Erdung genannt.

Taufrisches Gras wirkt belebend, ein sommerwarmer Waldboden erfüllt uns ebenfalls mit Wärme, und das Herantasten an den Winterschnee sorgt nicht nur bei finnischen Saunagängern für gesteigerte Vitalität.

Was für ein wunderbares Gefühl, morgens durch taufrisches Gras zu schlendern, nachmittags über sommerwarmen Waldboden zu hüpfen, oder auch mal im Winter den frischen Schnee zu spüren – unsere Erde mit ihren vielfältigen sinnlichen Oberflächen wieder unmittelbar zu erleben. 😊

Nun meine Hoffnung und Empfehlung für Eltern und Kinder: Stellt als Erwachsene eure Gangart auf diese gesunde Form um – barfuß oder eben in Barfußschuhen -, und ermöglicht damit euren Kindern durch euer gutes Beispiel und die „richtigen“ Schuhe von Anfang an einen positiven Umgang mit dem eigenen Körper.

Denn Kinder lernen vor allem durch Nachahmung – sie würden von alleine ohne die entsprechenden, leider allgegenwärtigen Vorbilder, wohl niemals in den Fersengang verfallen.

Kleine und große Barfußschritte, für Dich und Deine Kinder, helfen bei der Entschleunigung des Alltags.

Die Geschmeidigkeit in der Bewegung lässt Dich Achtsamkeit neu erleben und bringt meiner Erfahrung nach immer mehr Ausgeglichenheit und inneren Frieden ins Leben.

In diesem Sinne: wie läuft’s?

Weitere Lese-, und Video-Tipps

NETZTIPPS

  • barfusslaufen.tv: der Kanal von SOLE RUNNER Gründer Thorsten Ludwig

  • Godo von und mit Dr. med. Hans-Peter Greb: Die Auswirkungen der Gangart auf Körper, Geist und Seele sind bedeutender als wir ahnen. Dr. med. Peter Greb beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem menschlichen Gangverhalten. Zum YouTube-Vortrag

  • Prof. Daniel Lieberman von der Harvard University

  • Mexikanische Tarahumara- bzw. Raramuri-Indianer

BUCHTIPPS

  • Dr. med. Hans-Peter Greb: Godo

  • Carsten Stark: Füße gut, alles gut

  • Dirk Beckmann: Einfach Ballengang

  • Christopher McDougall: Born to run (Roman in deutscher Übersetzung)

Martin Ruhland ist begeisterter Barfußläufer und Barfußschuhträger. Wenn er nicht gerade über das Barfußlaufen schreibt, findest Du ihn in Vorträgen, auf Messen und Festivals, wo er sein Wissen um die anatomisch stimmigste Art der Fortbewegung teilt. Seit 2016 hilft er der kleinen Barfußschuhfirma SOLE RUNNER vom Ammersee dabei, die hochwertigen und ergonomisch zertifizierten Barfußschuhe aufgeschlossenen und naturverbundenen Menschen nahe zu bringen.

By |2018-12-17T12:35:38+00:0013/07/2018|Körper & Geist|0 Comments

About the Author:

Chris verantwortet die Website und Marketing-Strategie bei Pax Terra Musica. Er liebt es, sich durch Zeitgeschichte zu arbeiten und Möglichkeiten für ein nachhaltiges Miteinander zu entdecken. In seiner Freizeit stöbert er durch Bücher und Vorträge, spielt Didgeridoo, beitreibt Beatboxing und Fahrradfahren.

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